Zwischen der alten und der neuen Heimat - Bilderausstellung

Bilderausstellung Sonam P. (Foto: Angelika Nido)

Sonam P. stammt aus dem Tibet und hat in Wallisellen eine neue Heimat gefunden. Mit dem Thema Heimat setzt er sich auch in seinen Gemälden auseinander, die bis Ende Oktober an der goldenen Wand, im Foyer des reformierten Kirchengemeindehauses, ausgestellt sind.
Angelika Nido
Blau, Weiss, Rot, Gelb, Grün: das erste Bild in der Ausstellung ist fröhlich bunt. Es zeigt die fünf Farben der buddhistischen Gebetsfahnen. „Ich liebe Farben“, sagt Sonam P, der das Gemälde geschaffen hat. Seit 2013 lebt Sonam P. in der Schweiz. In seiner Jugend im Tibet war das Zeichnen eine seiner liebsten Beschäftigungen. „Als ich aufwuchs, habe ich vor allem tibetisch-buddhistische Kunst gemalt“, erinnert er sich. Nach seiner Flucht vom Dach der Welt, hat Sonam P. – sein Nachname wird nicht öffentlich genannt weil der lange Arm der chinesischen Verwaltungsregierung manchmal bis in den Westen reicht – in Wallisellen eine neue Heimat gefunden. Hier ist er gut integriert, hat unter anderem die Deutschkurse der katholischen Kirche besucht und engagiert sich in der Freiwilligenarbeit, zum Beispiel im ökumenischen BiGTiSCH-Team.

Im Lockdown die Pinsel ausgepackt
„Als ich im Lockdown mehr freie Zeit hatte, habe ich wieder mit dem Malen begonnen“, erzählt Sonam P. an der Vernissage seiner Ausstellung.
Er fertigte erst Zeichnungen mit Blei- und Farbstiften an, später mit gespendeten Acrylfarben auf Leinwand und einer Staffelei, die er ebenfalls geschenkt bekommen hatte. Die Bilder, die dabei entstanden sind, sind jedoch nicht nur schön und bunt. Sie erzählen auch Geschichten, aus seiner alten und seiner neuen Heimat und manche auch vom Spannungsfeld dazwischen.
Im erwähnten bunten Werk mit den Gebetsfahnen hat Sonam P. für uns, die wir mit der Bedeutung der Farben nicht unbedingt vertraut sind, die Erklärungen gleich dazu gemalt: Blau steht für den Raum, den Himmel, Weiss für die Luft, den Wind und die Wolken, Rot für das Feuer, Grün für das Wasser und Gelb für das Erdelement.
Darunter hängt seine eigene Interpretation der tibetischen Nationalflagge. Die sechs Strahlen der Sonne, die im Original die sechs ursprünglichen Volksstämme Tibets symbolisieren, hat Sonam P. verdoppelt und die beiden Schneelöwen hat er ersetzt durch eine Zeichnung des Potala-Palasts, einer tibetischen Arbeiterin sowie eines Yaks. Und das Werk daneben zeigt den imposanten Potala-Palast, bis 1959 der Wintersitz des Dalai Lama, mit seinen dreizehn Stockwerken und über 1000 Zimmern, für die Sonam P. sehr viele Fenster gemalt hat.

Tiere und Sehnsüchte
Die filigrane Zeichnung des sechssilbigen Sanskrit-Mantra Om Mani Padme hum, das Mantra des liebenden Mitgefühls, stellt in komprimierter Form die Quintessenz der buddhistischen Lehren dar.
Mehrere der insgesamt 13 Zeichnungen und Gemälde zeigen Tiere. Da gibt es wilde Yaks zu sehen, weisse Pferde, schön gefärbte Drosseln, zwei Wölfe im Ying & Yang vereint oder ein tibetischer Mastiff, das ist eine mittelgrosse bis grosse, loyale Hunderasse mit dichtem Fell und gutmütigen Augen. Spannend ist auch das Werk mit dem Titel „How beautiful is Switzerland“, das Hund und Katze zeigt, welche einen Löwen vor dem Matterhorn betrachten. Zu sehen sind auch eine Bleistift-Zeichnung der katholischen Kirche und des Pfarreizentrums, ein Geschenk von Sonam P. an die Pfarrei St. Antonius, sowie das Bild, das er für den Kreativwettbewerb der Veranstaltungsreihe «Einsamkeit ist kein Schicksal» gemalt hat und das ihm einen Sonderpreis für die Ausführung eingebracht hatte. Detailreich zeigt es in den Farben Blau und Schwarz die Sehsüchte zweier Menschen, die sich fern sind.

Ausstellung bis Ende Oktober
Die Bilder der Ausstellung mit dem Titel „Heimat? Heimat!“ hängen noch bis Ende Oktober an der „Goldenen Wand“ im Foyer des reformierten Kirchgemeindehauses an der Zentralstrasse. Sie können während den Öffnungszeiten des Sekretariats der reformierten Kirche Wallisellen jederzeit frei besichtig werden.



Bereitgestellt: 10.09.2021     Besuche: 21 Monat