JA zur Schöpfung - heute entscheiden für morgen

ChatGPT Image 16. Juli 2026, 11_48_58 (Foto: ChatGPT)

Am 27. September 2026 stimmen die Mitglieder der Reformierten Kirche des Kantons Zürich über die Änderung der Kirchenordnung vom 27. Januar 2026 (Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative) ab. Mitglieder ab 16 Jahren sind stimmberechtigt.
Ulrike von Allmen,
Die Landeskirche setzt sich für die «Bewahrung der Schöpfung» ein. Dies steht prominent in der Kirchenordnung (Artikel 4). Diese hält auch fest, dass die Kirche in der Wahrnehmung ihres Auftrags «einer sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit verpflichtet» ist (Artikel 29).

Kirchgemeinden engagieren sich seit vielen Jahren mit verschiedenen Massnahmen für den Umwelt- und Klimaschutz. Auf dem Höhepunkt der Klimabewegung beauftragte die Kirchensynode den Kirchenrat im Jahr 2021, die Gemeinden zu verstärkten Bemühungen anzuhalten. 2023 reichten ökologisch engagierte Kreise die sogenannte Schöpfungsinitiative ein. Sie verlangten, dass die Kirche ihre Treibhausgasemissionen bis 2035 auf «Netto Null» reduziert.

Der Kirchenrat übernahm die zentralen Forderungen der Initiative in seinen Gegenvorschlag. Zusätzlich schlug er vor, in allen Kirchgemeinden ein Umweltmanagementsystem nach dem Standard «Grüner Güggel» einzuführen. Die Kirchensynode stimmte dem Gegenvorschlag knapp zu. Daraufhin zogen die Initianten ihre Initiative zurück. Da jedoch das Referendum ergriffen wurde, entscheidet nun das reformierte Kirchenvolk über die Vorlage.

Kirchenrat und Kirchensynode empfehlen ein Ja

Aus ihrer Sicht verpflichtet die Vorlage die Landeskirche und ihre Kirchgemeinden, im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten. Sie knüpft an den kirchlichen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung an und formuliert konkrete Ziele für kirchlich genutzte Gebäude. Kirchenrat und Kirchensynode empfehlen den Stimmberechtigten, den Gegenvorschlag anzunehmen.

Was steht im Gegenvorschlag?

  • Landeskirche und Kirchgemeinden schützen die Natur und gehen sorgsam mit Ressourcen um.
  • Fossile Energien (Öl, Gas, Kohle) werden schrittweise ersetzt, vor allem bei kirchlichen Gebäuden.
  • Wichtiges Ziel: Die CO2-Emissionen von kirchlichen Gebäuden erreichen bis 2035 «Netto Null».
  • Ökologische Themen werden in Bildung und Spiritualität aufgenommen.
  • Die Kirche unterstützt eine ökologisch nachhaltige Gesellschaft.
  • Es gibt eine rechtliche Grundlage, damit in allen Kirchgemeinden ein Umweltmanagementsystem eingeführt werden kann (vorgesehen ist «Grüner Güggel»).

Das Referendumskomitee empfiehlt ein Nein

Das Referendumskomitee lehnt die neuen Bestimmungen in der Kirchenordnung ab. Es befürwortet zwar klimaschonendes Verhalten und ökologische Massnahmen in den Kirchgemeinden, kritisiert jedoch die vorgesehene Verbindlichkeit.

  • Aus Sicht des Referendumskomitees sollen Kirchgemeinden weiterhin selbst entscheiden können, wie sie Umwelt- und Klimaschutz umsetzen. Das Ziel «Netto Null» bis 2035 sei zu ehrgeizig und binde zu viele Ressourcen.
  • Die Verpflichtung, in allen Kirchgemeinden, das Umweltmanagementsystem «Grüner Güggel» einzuführen, überfordere viele Gemeinden und führe zu zusätzlicher Bürokratie.
  • Klimaschonendes Verhalten und ökologische Massnahmen in den Kirchgemeinden sollen gefördert werden.
  • Umweltschutz gelingt besser ohne verbindliche Vorgaben.
  • Viele Kirchgemeinden leisten bereits heute wirksamen Umweltschutz, auch ohne den «Grünen Güggel».

Quelle und weitere Informationen:
Abstimmung über den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative | Reformierte Kirche Kanton Zürich

Diskussion zur Schöpfungsinitiative

Ihre Meinung interessiert uns!
16.08.2026 14.47 Rolf
Für die neue Kirchgemeinde, die per 1. Januar 2028 aus den drei bisherigen Gemeinden entsteht, ist das Ziel «Netto Null 2035» besonders herausfordernd.
Bereits in den Jahren 2026 und 2027 stehen umfangreiche Vorbereitungen für die Fusion an: die Zusammenführung der Liegenschaften, die Harmonisierung der technischen Infrastruktur, die Klärung der Zuständigkeiten sowie die Abstimmung der Investitionsplanung über alle Standorte hinweg. Diese Phase bindet erhebliche personelle und organisatorische Ressourcen.

Hinzu kommt, dass ich die Haltung der beiden Partnergemeinden Kloten und Opfikon‑Glattbrugg zum Netto‑Null‑Ziel und zum «Grünen Güggel» derzeit nicht kennen. Unterschiedliche Ausgangslagen oder Prioritäten könnten die gemeinsame Umsetzung zusätzlich erschweren. Unter diesen Bedingungen besteht das reale Risiko, dass das Zieljahr 2035 zu einer Überforderung führt – sowohl finanziell wie organisatorisch.

Trotz dieser berechtigten Bedenken bin ich der Meinung, dass wir den Gegenvorschlag dennoch annehmen sollten.
Er schafft einen verbindlichen und verlässlichen Rahmen, der uns hilft, ökologische Verantwortung strukturiert wahrzunehmen und die langfristige Planung über alle Standorte hinweg zu koordinieren. Die klare Zielsetzung ermöglicht es, Investitionen über mehrere Jahre zu priorisieren und Förderprogramme gezielt zu nutzen. Das Umweltmanagementsystem «Grüner Güggel» bietet zudem eine hilfreiche Struktur, die Transparenz schafft und die Zusammenarbeit zwischen den fusionierenden Gemeinden erleichtern kann.

Die Herausforderung ist gross, aber der Gegenvorschlag gibt uns Orientierung und stärkt die Glaubwürdigkeit der Kirche.
Er fördert eine nachhaltige Entwicklung und ermöglicht es uns, ökologische Massnahmen koordiniert und wirkungsorientiert umzusetzen – auch wenn der Weg anspruchsvoll sein wird.
15.08.2026 18.23 Marc Ohlendorf
Ja zum Anliegen, Nein zu diesem Weg
Die Schöpfung zu bewahren gehört ins Zentrum unseres Auftrags. Da bin ich überzeugt dabei – und finde, die Kirche darf hier durchaus verbindlich sein.

Nur: Der Gegenvorschlag wählt dafür den falschen Weg. Ein flächendeckendes Umweltmanagementsystem («Grüner Güggel») ist gut gemeint, in der Praxis aber vor allem eine Kopfgeburt mit viel Administration. Das bindet Zeit und Mittel an der falschen Stelle – gerade kleinere Gemeinden sind damit rasch überfordert.
So kommen wir dem Ziel nicht näher, sondern verlieren uns in Formularen, statt bei den Menschen zu wirken. Viele Gemeinden leisten schon heute wirksamen Umweltschutz – überzeugt und ohne diesen Apparat.

Ich stimme deshalb Nein. Nicht gegen den Klimaschutz, sondern für einen schlankeren Weg, der bei uns wirklich ankommt.
Bereitgestellt: 13.08.2026     Besuche: 4 heute, 217 Monat